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Eine Horror-Woche

21.04.10 | von Christian Breuer [mail] | Kategorien: Behandlung, Rückschläge

Puh, die vergangenen Tage haben viel Kraft und viele Nerven gekostet. Zwar bin ich verhalten optimistich, was die nächsten Tage angeht, aber man soll bekanntlich den Tag nicht vor dem Abend loben. Mut machen kann ich mit diesem Eintrag wahrscheinlich nicht, aber zumindest alle Leidensgenossen auffordern, zu kämpfen und nicht an zu verzweifeln! Ich gebe mir jedenfalls alle Mühe...

Follow up:

Schon in meinem vorherigen Blogeintrag hatte ich ja geschildert, dass mein Zahn nach der Wurzelbehandlung ziemlichen Ärger gemacht hat. Die Behandlung an sich war, das möchte ich nochmal betonen, völlig (!) schmerzfrei, weil der Zahn einfach komplett tot ist. Trotzdem fällt es schwer, den Bohrer zu hören, keine Spritze bekommen zu haben und dennoch keine Schmerzen zu spüren - entspannen kann ich mich da übrigens nicht.

Nun, die "Demex", die ich am Samstag bekommen hatte, waren quasi ein Griff in die Tonne. Damit habe ich die Schmerzen auch nicht im Ansatz ersticken können, daher habe ich dann irgendwann parallel noch Ibuprofen nachgelegt. Besonders schlimm wurde es dann abends und nachts, als die Schmerzen in den gesamten Kiefer ausstrahlten, mein rechtes Ohr ebenfalls schmerzte, auch alle anderen Zähne. Auch die Ibuprofen halfen nicht mehr wirklich weiter und so habe ich die Nacht über wach und mit bösen Schmerzen verbracht.

Also ging es Sonntag zum Notdienst, die Ärztin war sehr nett und versuchte auch, auf meine Angst einzugehen - wenngleich sie nach einigen Minuten Zureden und dem Versuch, mich zu positiven Gedanken zu bewegen, etwas entnervt ein "Sie machen nicht mit, Sie blockieren das von Anfang an" kam. Das Schlimme ist: Sie hatte natürlich Recht. Ich habe nicht mitgemacht, was daran lag, dass ich mitten in der Angstspirale war. Die Ärztin hat den Zahn geöffnet, neu mit Medikamenten gefüllt und wider provisorisch verschlossen. Die Spritze hat zumindest drei Stunden lang für Beruhigung gesorgt, danach kamen die Schmerzen wieder. Nochmal den Notdienst angerufen und ein Rezept für die Nacht bekommen. Ich brauche nicht zu sagen, dass auch die Codein-Tablettn kaum geholfen haben?

Montag bin ich dann direkt zu meinem Zahnarzt gefahren, der mich verwundert fragte, warum ich ihn nicht gleich angerufen habe. Immerhin hätte ich ja seine Handy-Nummer, und da könne ich jederzeit, auch am Wochenende anrufen. Finde ich super!

In der Praxis war es hingegen alles andere als "super". Sechs Nächte quasi ohne Schlaf mit Schmerzen, völlig überdosierte Ibuprofen und nahezu kein Essen, kombiniert mit Angst - das forderte Tribut. Mein Kreislauf war komplett weg, vor dem endgültigen Kollaps war ich dieses Mal aber schlau genug, mich rechtzeitig zu melden und mich so in einen Behandlungsstuhl legen zu können. Auch da habe ich zwar erstmal weiter abgebaut, aber mit der Zeit ging es dann.

Der Arzt hat den Zahn geöffnet - und offen gelassen, damit Druck entweichen kann, außerdem hat er es geschafft, den Wurzelkanal zur Entzündung hin zu durchstoßen (wenn ich das richtig verstanden habe). So kann, hoffentlich, aus der Entzündung der Druck genommen werden und auch Sekret abfließen. Parallel nehme ich das Antbiotikum Clinda-Saar, und es scheint ein wenig zu wirken. Jedenfalls sind die Schmerzen nicht mehr so schlimm wie vorher und meine Ibuprofen-Dosen sind seit Dienstag ordentlich zurückgegangen. So ein offener Zahn ist übrigens ein seltsames Gefühl, finde ich. Es tut ja nicht weh, aber ich war etwas erschrocken, wie wenig Zahn da eigentlich nur übrig ist.

Problem: Die Entzündung ist recht groß und tief, und es ist fraglich, ob alles abfließt. Wenn nicht, und das macht mir gerade richtig Angst, dann muss das chirurgisch geregelt werden. Dann müsste das Zahnfleisch aufgeschnitten werden und ein Loch in den Kiefer gebohrt werden, damit durch eine Drainage der ganze Dreck rauskommen kann. Und das will ich unbedingt vermeiden, ich weiß nicht, ob ich das mit meiner Phobie schaffe.

Naja, sollte es soweit kommen, wollen der Arzt und ich es zumindest versuchen. Er hat mir, auf meinen Wunsch, Lorazepam verschrieben, ein Anstlöser, von dem ich mir einbilde, dass er mir vor einer OP schon mal zumindest ein bisschen geholfen hat (im Gegensatz zu Diazepam und einem Dormikum oder Valium intravenös, die rein garnichts bewirkt haben). Sollte es nicht klappen, dann muss ein Chirug das unter Vollnarkose machen, wenngleich sich dann die Frage stellt, ob es direkt eine Wurzelspitzenresektion gibt (möchte mein Arzt vermeiden) oder ich dem Zahn "Good bye" sage (möchte mein Arzt ebenso vermeiden wie ich).

Erstmal wird jetzt weiter Antibiotikum geschluckt, morgen habe ich um 18 Uhr wieder ein Date mit dem Doc.

In jedem Fall muss ich sagen: Ich kann verstehen, wenn Menschen vor Schmerzen verrückt werden und sich im Notfall selber einen Zahn ziehen. Alles ist besser als diese Schmerzen, die mich in den vergangenen Tagen gequält haben. Irgendwann verliert man die Gewissheit, dass es besser wird - auch wenn es sicherlich so ist. Wenn man dann noch im Internet nach Symptomen googelt, macht man sich nur noch mehr verrückt. Was mir geholfen hat waren Ibuprofen und Eis, vor allen Dingen aber unglaublich nette Mails, SMS und Facebook/MeinVz-Grüße von Freunden, die an mich gedacht haben und mir die Daumen drücken! Danke!

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Ich habe panische Angst vor Ärzten und Spritzen - obschon ich regelmäßig zum Zahnarzt gegangen bin, ist nun eine Grundsanierung fällig. Mit allem drum und dran. In diesem Blog berichte ich über meine Erlebnisse.

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